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  • Lipödem Coach Ulrike Wagenländer im Interview

    Ein Artikel von Lea  lea-tucholski

    Nachgefragt: Die Lip- und Lymphödem Interview-Kolumne #3

    Ulrike und ihre Diagnose

    Ulrike startet als Selbstbewusstseins- und Lipödem-Coach durch. Nach ihren eigenen Erfahrungen mit der Diagnose Lipödem hat sie ein Programm entwickelt, mit dem sie Frauen hilft, mit ihrer Diagnose besser zurechtzukommen und wieder eine ordentliche Portion Selbstbewusstsein zu gewinnen.

    Hallo, liebe Ulrike! Ich freu mich, Dich dabei zu haben. Erzähle uns doch erstmal etwas zu Deiner Person und Deinen Weg mit dem Lipödem.

    Ulrike: Mein Name ist Ulrike Wagenländer, ich bin 35 Jahre alt und komme aus der schönen Pfalz. Die Diagnose Lipödem bekam ich vor 2 Jahren gestellt. Seitdem hat sich einiges in meinem Leben verändert.

    „Man wächst an den Aufgaben, die einem das Leben mit auf den Weg gibt!“

    Das ist einer meiner Leitsätze, der mich begleitet.

    Wie hat Deine Diagnose Dein Leben verändert? Hast Du die Diagnose gleich angenommen oder brauchtest Du Zeit dabei?

    Ulrike: Auf der einen Seite war diese Erkenntnis eine Erklärung für die ständigen Schmerzen in den Beinen und die erschwerte „Abnehmproblematik“. Zeitgleich war es ein großer Absturz für mich, verbunden mit vielen Ängsten und einem großen Verlust meines Selbstbewusstseins. Ich wollte und konnte die Krankheit am Anfang nicht annehmen und schob alles erst einmal beiseite. So nach dem Motto „Kopf in den Sand“. Meine Kompressionsbestrumpfung lies ich zwar ausmessen und bestellen, aber erst nach Bitten des Sanitätshauses holte ich sie dort ab. Zuhause kamen diese hautfarbenen Strümpfe samt Hose erst mal weit hinten in den Schrank. Verdrängen war für mich die einzig richtige Lösung zu dem Zeitpunkt.

    Warum hatte vor allem die Diagnose so einen Einfluss auf Dein Selbstbewusstsein? Was änderte sie?

    Ulrike: Davor hatte ich immer noch die Hoffnung auf einen Idealkörper, den ich mit viel Sport und gesunder Ernäherung erreichen wollte. Die Diagnose zerstörte diese Hoffnung. Sie bedeutete für mich keine Chance auf Verbesserung und eine Art Ausweglosigkeit. Hinzukam die Angst vor den Folgen einer Schwangerschaft und ihre Auswirkungen auf das Lipödem.

    Warst Du allein mit Deiner Diagnose oder gab es Menschen, mit denen Du dich austauschen konntest?

    Ulrike: Wenn ich so darüber nachdenke, war ich eigentlich nicht alleine mit der Diagnose. Wenn ich dazu bereit gewesen wäre, hätte ich die Möglichkeit zum Austausch in der Familie gehabt. Jedoch habe ich komplett dicht gemacht und die Krankheit war ein Tabuthema für mich. Das ist auch mein Tipp, den ich jeder Frau mit auf den Weg geben möchte, sich genauso nicht zu verhalten und aktiv in den Austausch und Kontakt mit Gleichgesinnten zu gehen.

    Ulrike und ihr Coaching-Programm

    Als Lipödem-Coach möchtest Du anderen Frauen mit Lipödem mehr Selbstbewusstsein geben. Wie kam es zu dieser Idee?

    Ulrike: Die Idee zu meinem Coaching-Programm kam durch meinen eigenen Prozess mit meiner Persönlichkeitsentwicklung. Ich möchte in meinem Leben etwas bewirken und ein Leuchtturm für andere sein - oder wie man so schön sagt, ich möchte positive Spuren im Leben anderer Menschen hinterlassen. Es ist mir ein Herzenswunsch so vielen betroffenen Frauen wie möglich zu helfen und ihnen meinen bereits zurückgelegten, steinigen Weg mit der Krankheit zu ersparen.

    Lass uns ans Eingemachte gehen 😊 Wie sieht Deine Arbeit als Lipödem-Coach genau aus? Gibt es ein Programm und wenn ja, wie ist dieses genau aufgebaut?

    Ulrike: Meine Arbeit als Lipödem-Coach besteht in der Eins-zu-Eins-Arbeit, entweder bei mir vor Ort oder bei weiterer Entfernung über den sogenannten Zoom-Call.

    Ja, es gibt ein Programm, das mit einem kostenlosen Kennenlerngespräch startet. In diesem Gespräch geht es darum sich erst einmal kennen zu lernen und die Frauen dort abzuholen (Stand der Diagnose, Kompression, Selbstbewusstsein, etc.), wo Sie gerade stehen. Im Anschluss dieses Telefonates startet das Programm zu einem gemeinsam vereinbarten Starttermin. Das Programm dauert mehrere Wochen, die Dauer ist abhängig von dem aktuellen Standpunkt jedes einzelnen. In diesem Programm gibt es verschiedene Etappen, die ich gemeinsam mit jeder Frau durchlaufe, um das Ziel, das Selbstbewusstsein wieder in voller Größe aufzubauen, zu erreichen. Dabei gibt es auch klare praktische Tipps zu Lymphdrainage, zum Lymphomat und Kliniken, aber die Geschichte jeder einzelnen Frau steht für mich im Mittelpunkt meiner Arbeit. Ich möchte Sie auf ihrem Weg begleiten und sie wieder in ihr Strahlen bringen.

    Sind auch Gruppen-Coachings angedacht und wem konntest Du bisher schon helfen?

    Ulrike: Lipödem und die Auswirkungen auf das Selbstbewusstsein sind oft keine einfachen Themen. Viele Patientinnen verschließen sich hiervor. Ich konnte aber schon erste Erfolge mit drei Frauen feiern, mit denen ich auch das Coaching erarbeitet habe. Wichtig war mir vor allem, dass ein Betroffenen-Austausch stattfindet und das gleich am Anfang der Diagnose. So stehen bei mir auch klare Einzel-Coachings im Vordergrund, um eine Beziehung zueinander aufzubauen und Hemmungen zu nehmen. Gruppen-Coachings kann ich mir jedoch zu festen wöchentlichen Zeiten auch sehr gut vorstellen.

    Dürfen wir fragen, welche Art von Kompression trägst Du und gibt es Helferlein, die Dir das Leben mit der Kompression erleichtern?

    Ulrike: Ich selbst trage eine zweigeteilte, flachgestrickte Kompression in Schwarz. Die Farbe ist für mich persönlich am Besten zu kombinieren. Für mich war es das A & O das Anziehen der Kompression einmal richtig gezeigt zu bekommen. Wie fang ich am besten an, wie zieh ich sie hoch und vor allem, wie sitzt sie am bequemsten, dass nichts zwickt und zwackt. Ein anderes wichtiges Helferlein für mich ist ein Schaum gegen die trockene Haut, der sofort einzieht.

    Lipödem Kolumne

    Lea von Wundercurves

    Im Mittelpunkt unserer Wundercurves-Interview-Kolumne stehen Betroffene, denen wir auf unserer Seite ein Sprachrohr liefern wollen, um weiter auf die Krankheiten Lymph- und Lipödem aufmerksam zu machen.

    Und so stellen wir Dir hier in regelmäßigen Abschnitten Menschen vor, die auf unterschiedliche Weise von den Erkrankungen berührt sind. Dabei geht es vor allem um die Menschen und ihren Umgang mit der Krankheit, aber natürlich auch um die modischen Aspekte und das Leben mit Kompression.

    Den Anfang hat unsere Wundercurves-Mitarbeiterin Lea gemacht, die auch hinter dieser Kolumne steckt und über ihre Diagnose berichtete.

    Und zum Abschluss als kleine Erinnerung daran, dass uns ja noch so viel mehr als nur das Lipödem ausmacht. Noch drei Fragen, die nichts mit Deiner Diagnose zu tun haben:

    Machst Du gerne Sport und welche Sportart macht bei Dir so richtig gute Laune?

    Ulrike: Ja, ich mache gerne Sport, insbesondere Ausdauersport, bei dem ich so richtig ins Schwitzen komme und ich mich voll auspowern kann. In diesem Jahr habe ich die Liebe zum Joggen für mich entdeckt und kann mir nichts Schöneres an Sport mehr vorstellen, als früh morgens raus in die Natur zu gehen und die Ruhe und Luft förmlich aufzusaugen. Joggen mit der richtig beigebrachten Technik war immer ein großer Traum von mir, den ich nach der Diagnose erst einmal nicht mehr für mich umsetzbar gehalten habe. Aber wie heißt es so schön: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“.

    Diese Frage darf bei uns sicherlich nicht fehlen, wie wichtig ist Dir Mode und was bedeutet Mode für Dich?

    Ulrike: Mir persönlich ist Mode sehr wichtig. Jedoch gehe ich nicht mit jedem Trend, wenn es meinem Geschmack nicht entspricht. Für mich ist wichtig, dass Mode zu mir und meiner Figur passt. In meinem Kleiderschrank ist alles vorhanden, von elegant bis sportlich oder einfach auch nur mal praktisch und bequem für zuhause.

    Gibt es Lieblingsstücke, in denen Du Dich so richtig selbstbewusst fühlst?

    Ulrike: Ja, meine Lieblingsstücke haben oft die Farbe Rot, in der ich mich pudelwohl fühle. Eines meiner auch hier abgebildeten Lieblingsoutfits (jetzt für die Herbst-/ Winterzeit) ist das Strickkleid in Verbindung mit der Kompressionsbestrumpfung.

    Oder gibt Dir vielleicht etwas ganz Anderes Selbstbewusstsein? Was wäre das?

    Ulrike: Selbstbewusstsein ist für mich nicht nur abhängig von der Kleidung, in der man sich wohlfühlen und wiedererkennen sollte. Sondern extrem wichtig ist für mich auch ein positives Mindset und ein Umfeld, das einem Energie gibt.

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